Bekommt die Vernunft eine Chance?

Ein Beitrag von Hans Knapp zur Diskussion über die Frage einer neuen Seilbahnverbindung Brixen – St. Andrä vom 12. Juni in der Cusanus Akademie.

Foto Hans KnappEs wurde – sinngemäß – gesagt: „Eine Studie ist so gut wie irgendeine andere; man muss irgendeinmal zu Entscheidungen kommen.“
Wer eine solche Behauptung aufstellt, sollte konsequent sein und in der Begründung für eine Entscheidung auch auf solche Studien verzichten, die seinen eigenen Interessen entgegenkommen. Er sollte ehrlich sein und die Meinung vertreten, dass die, welche die Macht haben, tun werden und tun sollen, was sie tun wollen.

Es wurde die Glaubwürdigkeit der Techniker, welche die Besier-Studie einer kritischen Analyse unterzogen haben, in Frage gestellt, weil einige davon vom Überflug betroffene Personen seien. Dazu ist folgendes zu sagen: Natürlich fließen über die Auswahl der Kriterien und über deren Gewichtung Interessen in jede derartige Studie ein. Worauf es ankommt ist aber, dass erstens alle vom Projekt Betroffenen ihre Interessen einbringen können und dass zweitens offen über die Auswahl und vor allem auch über die Gewichtung der Kriterien geredet wird. Das von den Kritikern der Besier-Studie angewendete AHP Verfahren ist eine wissenschaftliche Methode, die u. a. offenlegt, welches Gewicht jedem einzelnen Kriterium gegeben wird.

Es ist nicht wahr, dass bisher alle Brixner Bürgerinnen und Bürger gleichwertige Möglichkeiten hatten, ihre Interessen einzubringen. Und das Argument, man habe ja das Volk abstimmen lassen wollen, würde ich nur dann gelten lassen, wenn auch nach einer korrekt durchgeführten Analyse sich eine 3S Bahn mit Start am Bahnhof als das alles in allem beste Projekt begründen ließe. Bei der von der Gemeindeverwaltung vorgelegten Fragestellung hätten vermutlich viele Leute deswegen für diese Seilbahn gestimmt, weil man durch massiven Medieneinsatz suggeriert hatte, es gebe keine vernünftigen Alternativen. Dies ist eher eine Irreführung als eine ausgewogene Information, ohne die ein Referendum nicht seriös sein kann.

Wie wichtig eine offene Gewichtung der Kriterien ist, zeigt ein Beispiel: Es ist doch völlig absurd, wenn in der Besier-Studie der Schulweg, den die Schüler von St. Andrä (die, nebenbei bemerkt, ja wohl nicht alle in der Nähe der Bergstation beim Start zur Plose-Umlaufbahn wohnen!) dann in Brixen zurückzulegen haben, de facto gleich viel zählt wie die Elemente Überflug und Umweltaspekte zusammengenommen!!)

Die Gemeindeverwalter und die Landespolitiker dürfen sich nicht vernünftigen Argumenten verschließen. Für Verwaltung, Politik und Bevölkerung gilt: Man muss sich die Zeit nehmen, noch einmal gründlich nachzudenken!

Hans Knapp

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3 thoughts on “Bekommt die Vernunft eine Chance?

  1. walter richter

    Das Komitee PRO Seilbahn bleibt seiner Linie treu, indem es über eine Pressemitteilung wiederum die von proALTvor beauftragten Techniker angreift und ihnen Befangenheit unterstellt!
    Der dichtbesiedelte Süden der Stadt und Milland sind von der Trassenführung betroffen, da kann es schon vorkommen, dass einige Experten aus dieser Zone kommen.

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  2. tschingl

    Gibt es die Studie II hier demnächst als Download? Konnte an dem Abend nicht dabei sein und bin an den Ausführungen interessiert.

    Reply
    1. proaltvoreditor Post author

      Die Folien stehen jetzt unter event. Über die Form der Veröffentlichung des Dokuments diskutieren wir noch.
      Wir sind gegen die Bezeichnung “Studie II”, weil sie verdächtig nach der Aussage von Pro Seilbahn “ist halt eine weitere Studie, erstellt von Betroffenen und somit voreingenommenen Technikern” klingt und schlagen vor: “Kritik an der Standortuntersuchung”

      Reply

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