pro und contra #1

Im Streitgespräch bei RAI Südtirol diskutierten am 25.03.2014 der Bürgermeister Albert Pürgstaller mit Klauspeter Dissinger, dem unabhängigen Gemeinderat zum Thema Standort der Seilbahn in Brixen. Wir haben die Sendung aufgezeichnet und führen zu den sich widersprechenden Aussagen einen Faktencheck durch.

Gleich in den ersten 10 Minuten kam es zu kontroversen Aussagen über ein Gutachten des Amtes für Landschaftsschutz, das Milland als Standort ungeeignet darstellen soll, während deren Amtsdirektorin versichert, dass der Standort Milland nicht von der Landesraumkommission untersucht worden ist.

Für diejenigen, die die Sendung nicht gesehen oder schon wieder vergessen haben: der Gesprächsablauf, um die anschießenden Zitate der beiden Kontrahenten bessern einordnen zu können. Meine Anmerkungen stehen in Klammern ().

Es beginnt der BM Albert Pürgstaller mit der Aufzählung der Vorteile der Seilbahn und des Standorts Bahnhof. Dann zeigt Klauspeter Dissinger (KPD) die Vorteile einer Seilbahn von Milland aus auf.

(BM:) Ich darf nur das Gutachten des Amtes für Landschaftsschutz (unverständliches Wort fehlt), das Herr Dissinger immer anpreist hier zitieren. Ich denke diese Argumente sind einfach wichtig als dass dieser Standort Milland einfach keine Variante ist.
Ich zitiere: “Bei der Variante Sportplatz Milland wird auch dort mehr als die Hälfte des Talbodens überflogen, es wird ein intakter Grünbereich betroffen, dazu in aller nächster Nähe zum Biotop Millander Au. Es muss ein neuer Grünbereich angetastet und verbaut werden, verbunden auch mit dem entsprechenden Landschaftsverbrauch.”  (Der BM überspringt unwesentliche Sätze im Gutachten)
“Wenn also in unmittelbarer Nähe zu diesem Biotop eine derartig starke Urbanisierung und Anthropisierung mit all den damit verbundenen Störungen für diesen wertvollen und einmaligen Naturlebensraum erfolgt, dann kann dies aus ökologischer Sicht nicht gut geheißen werden.”

(KPD:) “Es ist sehr Interessant, dass der Herr Bürgermeister jetzt dieses Gutachten vorlegt. Ich habe am Freitag mit dem zuständigen Amt telefoniert. Das zuständige Amt, die Amtsdirektorin hat mir versichert, dass der Standort Milland überhaupt nicht von der Landesraumkommission untersucht worden ist. Und es gibt überhaupt kein Gutachten, also ist es nicht nachvollziehbar, warum der Herr Bürgermeister jetzt dieses Gutachten präsentiert.”

Gutachten Dr. Konrad Stockner vom 24.09.2013

Gutachten Dr. Konrad Stockner vom 24.09.2013

Das Formale:
Das Dokument, um das es hier geht, stammt von Dr. Konrad Stockner, dem stellvertretenden Amtsdirektor im Amt für Landschaftsökologie. Es hat den Titel: “Landschaftsökologisches Gutachten zur Eintragung einer Aufstiegsanlage – Seilbahnverbindung Brixen. St. Andrä R.B. Nr. 67 vom 13.09.2012” und ist weder handschriftlich unterzeichnet noch mit einem Stempel versehen. Der Autor sieht sich als Sachbearbeiter. Zum Vergleich ein als internes Gutachten bezeichnetes Dokument zum Thema Lärm.

2013-09-24 Gutachten von Dr. Konrad Stockner

2013-09-24 Gutachten von Dr. Konrad Stockner

Das Inhaltliche:
Kein Wort von der Südspange im Gutachten von Dr. Stockner. Die hochgepriesene „Gesamtbilanz“ vernachlässigt bei diesem Standort sträflich, dass es sich nicht ausschließlich um intakte Grünbereiche handelt sondern um Bereiche, die verkehrstechnisch (Südspange) erschlossen werden sollen und die urbanistisch (bestehende Sportzone mit Zufahrt, Gebäuden und Tribüne und neu geplanter Sportplatz) bereits als erschlossen zu betrachten sind. Vor dem Hintergrund, dass ein eventueller Standort Milland natürlich nur mit der Verwirklichung der Südspange Sinn macht, wird dieses Faktum bewusst verschwiegen. Geflügelte Worte sind im Kontext einer „Gesamtbilanz“ auch „Ganzheitliche Betrachtung“, „Nachhaltigkeit“, von denen wir beim Standort Bahnhof weit entfernt sind.

Mein Fazit:
Es wurde nie ein Gutachten zum Standort Milland erstellt. Das Gutachten von Dr. Konrad Stockner spricht für sich selbst, ebenso dass Dokumente, die nicht die Mindestanforderungen an Formalien genügen, als Grundlage für Entscheidungen herangezogen werden.

 

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