Hans Heiss

Nein zur Seilbahn ab Bahnhof, für die verbesserte Busverbindung, Ja zur Zukunft Brixens – Eine persönliche Stellungnahme.
Zur Frage der Volksabstimmung habe ich mir lange Zurückhaltung auferlegt: Zunächst aus parteipolitischen Rücksichten, da wir Landesgrüne der Bürgerliste Brixen nicht in ihr schwieriges Handwerk pfuschen wollten. Zum anderen aus familiärer Befangenheit, war doch mein Vater unter den Promotoren, die 1964 für die Seilbahn Brixen gerannt sind, unermüdlich, mit großen persönlichen und finanziellen Opfern. Zum dritten, weil es nicht leicht fällt, einem ökologischen Transportmittel wie einer Seilbahn mit einem „Nein“ zu begegnen.

Zur Orientierung nun in neun Punkten meine Haltung zur Abstimmung:

  1. Der Überflug schafft Brixner erster und zweiter Klasse. Viele direkt vom Überflug Betroffene wehren sich nicht aus falscher Empfindlichkeit, sondern weil sie starke Einbußen an Lebensqualität und Wertminderung ihrer Wohnungen und Liegenschaften befürchten – völlig zu recht! Zu viele Personen sähen sich durch den Überflug zu Brixnern zweiter Klasse degradiert, die Stadt, Milland und St. Andrä wären gespalten in Überflogene und Nicht-Überflogene.
  2. Brixens Stadtgestalt lebt von Kirchtürmen, nicht von Drahtseilakten. Keine andere Stadt Südtirols verfügt auf so engem Raum über so viele Kirchtürme wie die Bischofsstadt. Sie prägen Landschaftsbild und Ausstrahlung der Bischofsstadt. Eine das Sichtfeld beherrschende Seilbahn über den Talkessel würde nicht nur stören und die Landschaft entstellen, sondern wäre ein Verrat an Brixens Grundcharakter.
  3. Der Standort Bahnhof ist verkehrlich ein Nadelöhr: Viele Bahnbenutzer würden nicht im Zug, sondern mit Auto anreisen; Staus im Stadtgebiet und rund um den dichtbefahrenen Bahnhof wären vorprogrammiert. Viele Bürger würden aus der Stadt, Milland und Nachbargemeinden mit dem PKW zur Seilbahn am Bahnhof fahren, jedes Parkhaus käme rasch an seine Kapazitätsgrenze. Viele Plosebesucher würden weiterhin direkt nach St. Andrä fahren, um den Wechsel zwischen beiden Verkehrsmitteln abzukürzen.
  4. Würde der Wechsel von der Eisen- zur Seilbahn wirklich begeistert angenommen? Gewiss zu bestimmten Jahreszeiten, im Winter aber nicht durchwegs, da Schifahrer vor allem in Gruppen lieber mit eigenem Auto kommen: Das Beispiel des Bahnhofs Percha mit geringer Winter-Auslastung beweist, wie groß angekündigten Konzepten ein dürftiges Ergebnis folgt.
  5. Der Kostenpunkt ist voll offener Fragen: Für die Seilbahn sollen 20 Mio. € sollen vom Land kommen, 10 Mio. € vom künftigen Konzessionär, 5 Mio. € von der Gemeinde Brixen. Wer aber saniert das bodenverseuchte Bahnhofsgelände, wer finanziert Infrastrukturen und Zufahrten zum Neuen Mobilitätszentrum? Plötzlich würden die 35 Mio. € ziemlich knapp werden. Auch über die Folgekosten ist nicht das letzte Wort gesprochen, auf wen greift der Betreiber der künftigen Bahn zurück, falls die Rechnung nicht aufginge?
  6. Allen Wehklagen zum Trotz: Brixens Tourismus lebt! Brixen hat trotz aller Unkenrufe in den letzten Jahren touristisch zugelegt und hält mit ca. 550.000 Übernachtungen unter den Top 15 in Südtirol, auf dem Stand Bozens und vor dem viel gelobten Bruneck. Brixen soll nicht Meran oder Kastelruth werden, sondern eine Gemeinde mit wirtschaftlicher Vielfalt: Mit einem guten Mix von Landwirtschaft, Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungen und einem starken, nicht überzogenen Anteil an Tourismus. Brixens Stadttourismus würde von der Seilbahn ab Bahnhof nur wenig profitieren, sondern allenfalls der Ploseberg.
  7. Die Plose und der Berg verdienen planvolle Entwicklung, keine Lösung mit der Brechstange: Niemand wünscht die Schließung der Ploseseilbahn und den Ausstieg ihrer verdienstvollen Betreiber, niemand will den Bauern am Ploseberg den notwendigen Zuerwerb durch Bahn und Tourismus verwehren. Aber die erwünschte Entwicklung kann nicht auf Kosten anderer Stadtteile und vieler Bürgerinnen und Bürger gehen. Ein Standort mit leichten Nachteilen, aber weniger einschneidenden Folgen ist weit besser als eine technische Massivlösung wie jene ab Bahnhof.
  8. Das Dreierpack der Fragestellung ist demokratisch fragwürdig. Der Blick auf die drei gestellten Fragen zeigt, dass sich die Alternativen zur besseren Busverbindung und zur Beibehaltung der heutigen Situation gegenseitig schwächen. Dagegen profitiert die erste Alternative zur Seilbahn ab Bahnhof von der Stimmenzersplitterung. Wer keine Seilbahnverbindung ab Bahnhof wünscht, sollte daher auf die verbesserte Busverbindung setzen.
  9. Die Bürgerbefragung eröffnet eine neue Zukunftsdiskussion über Brixen: Brixen ist eine vitale Gemeinde mit vielen Stärken und großen Entwicklungschancen, es benötigt jedoch eine neue Sicht auf seine Zukunft: Als Gemeinde mit dem besten Bildungsangebot Südtirols, hoher industrieller Wertschöpfung, innovativen Arbeitsplatzen, und einem neu aufgestellten Tourismus mit mehr Naturnähe, Kultur und Kongresstätigkeit. Aber auch einem neuen Standard ökologischer Lebensqualität, kulturellen Kraftfeldern, einem großen sozialen Herzen.

Die Lösung ab Bahnhof stärkt nicht die Zukunftsqualitäten Brixens, sondern verbaut sie und unterbindet wirklich zukunftsweisende Lösungen. Das „Ja“ zu besseren Busverbindungen ist daher ein Kompromiss, der aber mit Nachdruck neue Perspektiven für Brixen einmahnt.

Hans Heiss

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