Brixner Will[e|y]

Man könnte Editorial und Hauptartikel von Willy Vontavon in seiner „unabhängigen“ Monatszeitschrift (Brixner, September 2014, Nr 296) auch unkommentiert unter der Rubrik „S“ (Skurriles) ablegen. Ganz so einfach wollten wir es uns – und ihm – dann aber doch nicht machen, wohl wissend, dass wir Herrn Willy Vontavon, wie so manch anderen Brixner Gemeinderat, auch mit noch so treffenden Argumenten nicht überzeugen können.


Gerade für derart beratungsresistente Fälle wurde letztlich das Instrument der Volksabstimmung ins Leben gerufen, in Italien übrigens seit fast 45 Jahren und mittlerweile ca. 70 mal auf Staats- und viele Male auf Gemeindeebene durchgeführt.

fackel5Bei Willy Vontavon scheint das Demokratieverständnis von Haus aus nicht sonderlich ausgeprägt zu sein, wenn schon ein harmloser, von den zuständigen Behörden genehmigter Fackelumzug genügt, um vom Befürworter zum „entschiedenen Gegner der direkten Demokratie“ zu werden. Die Erklärung seiner „ganz schlimmen Assoziationen“, die dieser von proALTvor organisierte und absolut friedlich verlaufene Fackelumzug mit Erwachsenen und Kindern bei ihm weckten, wird er uns wohl schuldig bleiben.

Sollte man zudem nicht die Qualität der von ihm zitierten „jahrzehntealten Freundschaften“ kritisch hinterfragen , die plötzlich „zerstört“ werden, nur weil man zum Standort der Talstation einer Seilbahn unterschiedlicher Meinung ist oder in Ermangelung von Alternativen für den Bus optiert? Ist es weiters verwunderlich, dass Menschen schwer enttäuscht sind, wenn jahrelang gezielt Schreckensszenarien vom Sterben des Plosebergs an die Wand gemalt und bei den Menschen bewusst Ängste geschürt werden und am Ende genau jenes Szenario eintrat, das man zwar selbst heraufbeschwor, im Grunde aber mit allen Mitteln vermeiden wollte?

Dass ein Infrastrukturprojekt mit derart großer Tragweite für Stadt und Berg und derart großen Eingriffen in Stadt- und Landschaftsbild auch Gegner auf den Plan ruft, dürfte selbst für Herrn Willy Vontavon mehr als verständlich sein. Da hat es im Großraum Brixen in jüngster Vergangenheit weit kleinere Projekte gegeben, gegen die Politiker aller Parteien und Umwelt- und Heimatschutzverbände gleichermaßen protestiert haben. Man denke nur an die von der Autobahngesellschaft geplante Schrägseilbrücke zur Autobahnüberführung in Albeins, wo selbst der Fraktionssprecher der Brixner SVP und eifriger Seilbahnbefürworter Ingo Dejaco – zu Recht – den Blick auf das weit entfernt liegende Kirchlein von Tschötsch getrübt sah. Wollte man für Brixen andere Maßstäbe anlegen? Dachte man nicht an die massive Ablehnung durch die Brixner BevöIkerung? Hat man die Online-Umfragen des „Brixner“ zu den möglichen Standorten der Talstation aus dem Jahr 2012 einfach ignoriert? Im Weltbild von Willy Vontavon hatte dieses Szenario offensichtlich keinen Platz. Nur so kann erklärt werden, dass er den BrixnerInnen sinngemäß jegliche direkt-demokratische Reife abspricht und ihnen rät „diese Volksabstimmung, dieses unsägliche Kapitel der Stadtgeschichte, schnellstens zu vergessen und die Nein-Sager endlich einzubremsen“.

Nichts dergleichen wird passieren, Herr Willy Vontavon. Ob Sie es glauben wollen oder nicht, diese Volksabstimmung wird aus mindestens drei Gründen in die Brixner Geschichte eingehen. Erstens: Da es die erste Möglichkeit der direkt- demokratischen Mitbestimmung der Bevölkerung war, kann man schon aus diesem Grund von einem historischen Ereignis sprechen. Zweitens: Noch nie zuvor hat es zu einem Sachthema (Seilbahn oder Bus) in Brixen ein derart massives mediales, lobbyistisches und politisches Großaufgebot gegeben, das letztlich wirkungslos blieb, voraussichtlich in weiten Teilen sogar kontraproduktiv war. Es waren zudem sämtliche SVP dominierte Verbände von SBB und hds über HGV und LVH bis hin zum VSF – wir ersuchen um Verständnis, sollten wir ein Kürzel vergessen haben – auf Kommunal-, Bezirks-, und teils auf Landesbene genauso um wohlwollende Stellungnahmen für das Seilbahnprojekt bemüht, wie der Altlandeshauptmann samt Landtagspräsidenten, letzterer leider in offenkundiger und im Nachhinein amtlich konstatierter gesetzeswidriger Art und Weise. Alle Aufrufe blieben am Ende wirkungslos. Was ist da schiefgelaufen? Warum glauben die Menschen diesen vermeintlichen Leitfiguren und Meinungsbildnern, größtenteils aus der Ära Durnwalder, nicht mehr? Und Drittens: Sollte sich Willy Vontavon tatsächlich mit seinen Vorstellungen durchsetzen – was wir natürlich nicht hoffen-, dann würde diese Volksabstimmung auch als die Letzte in die weit über 1100-jährige Geschichte unserer Stadt eingehen.

Die Beurteilung des Hauptartikels wollen wir dem Leser selbst überlassen. Willy Vontavon hat seine Ankündigung wahrgemacht und mit den Seilbahngegnern – und teils Befürwortern – gründlich abgerechnet. Ein medialer Rundumschlag, bei dem jeder, der anderer Meinung ist, sein Fett abkriegen sollte. Nur Herr Willy  Vontavon kann die komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhänge rund um die Seilbahn vom Bahnhof verstehen und erklären, warum Investitionen nicht als Kosten zu verbuchen sind. Dem Durchschnittsbürger bleiben derartige Erkenntnisse unergründlich, was ja auch kein Wunder ist, wenn die Befürworter der Seilbahn vom Bahnhof von einem „35 Millionen Euro teuren Geschenk aus Bozen “ sprechen, „das eine Stadtgemeinschaft einfach ablehnt“.

proALTvor hat die Besier-Studie, mit welcher der Standort Bahnhof stets gerechtfertigt wurde, immer kritisiert und wissenschaftlich anerkannte Methoden aufgezeigt, die man bei der Beurteilung von Standorten berücksichtigen sollte. In jedem Fall sollte man künftige Szenarien zur Mobilität in Brixen, die zudem bereits seit Jahren/Jahrzehnten im Bauleitplan eingetragen sind, berücksichtigen. Dies wurde bisher bewusst vermieden. Im Speziellen ist hier die Südspange gemeint, mit der die Mozartallee und Milland vom Verkehr entlastet würden. Vor allem aber sollte man sich zu dieser Verkehrsinfrastruktur bekennen und deren Realisierung vehementer einfordern als bisher. Das Mobilitätszentrum am Bahnhof soll natürlich rasch verwirklicht werden. Bei allen verkehrstechnischen Belangen sollte aber der Verantwortliche des Brixner Verkehrsplans mit einbezogen werden. Techniker, die sich künftig mit einer direkten Anbindung des Plosebergs an die Stadt beschäftigen, sollten klare Vorgaben erhalten. Eine Anbindung von St. Andrä und Milland sollte eine dieser Vorgaben sein, das Verbot zum Überspannen von Häusern ganzer Stadtteilen eine weitere.

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